Schön war es! (Die MABV Meisterschaft der Elite 2018)

Am 27. und 28.04.2018 fanden das Halbfinale und Finale der MABV Meisterschaften statt. Die Stimmung im Südstadion war gewohnt gut – es waren zahlreiche Fans der Athleten angereist. Wenn man die Kämpfe resümiert, hat man teils hochkonzentrierte taktische Leistungen gesehen, disziplinierte Anwendung der im Training erlernten Techniken, aber auch kämpferische Höchstleistungen. Da manche Kämpfer am Vortag im Viertelfinale geboxt hatten, war der Abruf der erforderlichen Höchstleistung anspruchsvoll. Am 27.04.18 ging es mit dem Halbfinaltag los. Hier wurden bereits gute Kämpfe geboten. Trotz der vertretenen A und B Klasse sah man überwiegend sehr gut ausgebildete Boxer. Zudem war ein höchst angenehmes, stimmungsreiches boxaffines Publikum vertreten! Die Kontrahenten, die zum Teil schon in der Vorrunde einen Tag zuvor geboxt hatten, waren hochkonzentriert.

Das Halbfinale begann mit einem guten Kampf der Frauen im Leichtgewicht (60 kg): Laura Maligi vom SC Colonia konnte gegen die Boxerin vom Tus Rheindorf Nina Nasshoven nach Punkten gewinnen. Der Schlüssel zum Sieg gegen die Rechtsauslegerin Nasshoven war der richtige Stand Maligis  und eine solide rechte Hand. Die erste Runde konnte die Rheindorferin variabel und vielleicht auch zu ihren Gunsten entscheiden, aber in den folgenden beiden Runden konnte die Kölnerin sich zurückkämpfen und gewann verdient, auch in Folge der starken rechten Hand. Im Finale reichte es nicht für Maligi –Sie wurde von Sarah Ehrmann – einer weiteren Rheindorferin – besiegt. Sarah Ehrmann zeigte eine besonnene Leistung. Maligi, der das Halbfinale noch in den Knochen steckte – traf zwar wieder einige Male mit Ihrer knackigen Rechten, aber dies reichte aufgrund der geringen Schlagfrequenz, sowie der Trefferbilanz nicht. Festzuhalten bleibt, dass die Arbeit der weiblichen Elite im Köln-Aachener Bereich Früchte trägt und wir uns auf die kommenden Kämpfe freuen können.

Im nächsten Kampf ging es knapper zur Sache: technisch solides Boxen, Männer Leichtgewicht (B Klasse), Miktad Teke verlor knapp gegen Shoaib Mirzay – hätte auch anderherum laufen können.

Shoaib Mirzay verlor tags darauf einen wiederum sehr knappen Kampf gegen Ülfet Karagüzel, auch dies war ein Fight, der ebenso andersherum hätte gewertet werden können. Ausschlaggebend war hier die unbändige Moral Karagüzels, der (im Halbfinale und Finale) in der zweiten und dritten Runde einen unbedingten Siegeswillen zeigte. So ist dieser Sport: „Gib nie auf! One Punch can change everything“ und dies beherzte Karagüzel: Nachdem er zunächst die ersten Runden seiner HF und Finalkämpfe ziemlich klar abgab konnte er mit einer beherzten Leistung in Ringschlachten den Sieg im Leichtgewicht erkämpfen.

Im Schwergewicht der B-Klasse konnte sich Timur Schewe durchsetzen. Er hatte es nicht einfach – im Halbfinale wurde er von seinem Teamkollegen in Geduld geprüft. Sein Kontrahent brachte nur Kondition für eine Runde mit, und schleppte sich den Rest des Kampfes mit Halten, herunterdrücken und flüchten durch den Kampf. Im Finale besiegte er dann recht dominant Alexander Winkler aus Pulheim.

Im Superschwergewicht der B Klasse konnte sich Filip Czambor gegen seinen Teamkammeraden Brian Matando durchsetzen. Hier kam es zum ersten Abbruch durch TKO. Matando boxte zunächst gut und variabel mit, passte dann jedoch kurzzeitig nicht auf und wurde von Czambor getroffen, was ihn aber auch nicht zum Selbstschutz bewog, sondern ihn dazu brachte, anzuzeigen, dass er keine Wirkung erlitten habe. Da gibt da natürlich geschicktere Methoden als die Deckung zu vernachlässigen und so wurde er zu Boden geschickt. Konsequent und verantwortungsvoll, dass der Trainer das Handtuch warf, da die Beine Matandos noch ein gewisses Eigenleben zeigten.

Auch in der A Klasse wurden spektakuläre und teils hochklassige enge Kämpfe geboten. Im Welter unterlag der Aachener Anas al Abid dem starken Rheindorfer Marcel Zimmermann. Bei diesem technisch hochwertigen Kampf lagen auch wieder nur Nuancen zwischen den Athleten.

Bei dieser MABV Meisterschaft war das Mittelgewicht stark besetzt. Im Halbfinale hatte Lukoki gegen den (auf dem Papier mit erst 8 Kämpfen als Greenhorn zu bezeichnenden) Raman Murad von Bayer 04 geboxt. Von Raman Murad wird man noch hören – er boxte gegen den haushohen Favorit Lukoki einen exzellenten Kampf, welchen er hauchzart verlor. Die gute Boxschule von Jörg Heidenreich hat einiges aufgebaut in  Leverkusen.

Nun kam es zu (meinem) Highlight der Veranstaltung: Dem Mittelgewicht Finale der Männer. Die Zuschauer, die bis dahin bereits für hervorragende Stimmung sorgten, begannen (soldatisch akkurat) die Namen der Kontrahenten zu skandieren, es wurde gejubelt und gezittert. Nicht überraschend war dieser Kampf, technisch überragend, vom Ablauf her hochspannend und dann folglich in Bezug auf das Urteil umstritten. Lukoki begann unter den „Nathan“ Rufen der Zuschauer stark und konnte den Aachener deutlich treffen, und konnte durch strukturierte Arbeit zum Körper und guter Schrittschule den Beginn des Kampfes prägen. Ammadou kam jedoch stark zurück und begann zu kontern und traf Lukoki deutlich und ließ Ihn auch die eigenen Angriffe verfehlen. Lukoki kam jedoch zurück und traf Amadou mehrfach, so dass dieser in der finalen Runde auch angezählt wurde. Dennoch reichte Amadou die souveräne Konterleistung, um den Ring siegreich zu verlassen. Dieses Duell hätte zwei Sieger verdient.

Im Halbschwergewicht (bis 81kg) kämpfte der Lokalmatador Jason Quansah gegen den Leverkusener Farid Youssif. Dieser kämpfte gegen den mit der Führhand lang bleibenden und boxenden Kämpfer vom SC Colonia mit der Brechstange: er warf die Haken weit über den Kopf, beim Versuch in die für Ihn beste Distanz zu kommen, nutzte dabei jedoch selten die Führhand. So konnte der größere Quansah seinen Jab etablieren und den Kampf siegreich beenden. Farid Youseff war mit seiner „Alles oder nichts“ Strategie die ganze Zeit „Game“ und gefährlich, er kämpfte wie ein Löwe, konnte allerdings seine langjährige Erfahrung und seine Skills im Boxsport nicht ausreichend abrufen.

Im Superschwergewicht konnte Nelvie Tiafack, der trotz seiner Jungen Jahre 3 x Deutscher Meister und dritter Platz der U19 WM wurde, den Titel auf eindrucksvolle Art erkämpfen. Er ließ Piotr Pancisin im Städteduell zwischen SC Colonia und FK Köln Kalk keine Chance. Er stalkte und stellte Pancisin mit gutem „Shifting“ (Wechsel aus Pass und Diagonalgang) an den Seilen und bearbeitete Ihn mit schweren Körper-Kopf Kombinationen. Von der schieren Größe lagen Welten zwischen den Kämpfern. Dies sah auch die Kalker Ecke ein und beendete das ungleiche Duell durch Aufgabe. Pancisin, ein technisch solider Mann, sollte darüber nachdenken, die Gewichtsklasse zu wechseln. Im Schwergewicht kann er durch seine besonnene und variable Art zu boxen mehr erreichen.

Als Fazit muss man das Kölner Publikum hervorheben. Das war schon unglaubliche Stimmung. Es wurde skandiert und gestampft, dass die Wände Sporthalle am Südstadion wackelten. Eine tolle Stimmung, da kann man stolz sein: Auf den Boxsport, das Kölner Publikum und vor allem die Athleten, die einen sehr tollen Sportevent mit Ihrer großartigen Leistung garnierten. Danke, Köln!

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