MABV Meisterschaften: Schüler und Jugend

Am Wochenende (09/10.02.19) standen in Übach Palenberg die Mittelrhein Meisterschaft Schüler bis Jugend im Jungen 2019 auf dem Plan.


Samstag im Halbfinale standen einige der 13 Kämpfe auf Messers Schneide. Bei den Junioren bis 48 Kilo gewinnt der Lokalmatador Serhat Kabadyi souverän gegen Lorenzo Mele und lässt diesem keine Chance. Im Finale, tags darauf, konnte Kabadyi nicht antreten.
Lennox Zemke, einer der beiden Zemke Brüder von Bayer Leverkusen, besiegt Muhammed Hamad durch KO in der zweiten Runde. Bemerkenswert an diesem Kampf ist der Verlauf: Beide Athleten trafen bereits aufeinander und auch damals gewann Lennox Zemke den Kampf, obwohl zunächst unterlegen, durch einen knackigen KO. Also alle wieder auf Start und los geht’s: auch diesmal ist Hamad in Runde 1 der ruhigere, überzeugendere Boxer. Zwischenzeitlich blinkt jedoch Zemkes Gefährlichkeit gerade auch im Bereich der Schlaghärte auf. Die erste Runde geht jedoch klar an Hamad. But one punch can change everything – in der zweiten Runde reicht eine Schlagserie Zemke, um den KO Sieg zu verbuchen. Beide Trainerteams, ob siegreich oder nicht, werden ernste Worte mit Ihren Schützlingen sprechen. Lennox Zemke traf im Finale auf Kevin Friedt vom ATV Selhof und verlor eindeutig nach Punkten. Hier hatte der ausgeruhte Kämpfer Friedt (ohne Halbfinalgegner) den Vorteil und konnte den Kampf machen und schlussendlich auch eindeutig für sich entscheiden.
Christian Domi vom Verein Helios Aachen kann trotz starkem Vorwärtsgang  gegen Mohamed Sudays nicht bestehen. Leichtfüßiges Boxen von Sudays, variabel garniert mit Sidesteps immer den letzten Treffer der Aktion. Das ist im Boxen nicht der Standard mit weniger als 10 Kämpfen den Wettkampf spielerisch und ohne Verkrampfung zu gestalten. Das andere Extrem wiederum ist mangelnde Aktivität oder Siegeswille, denn dahin kann Konterboxen auch ausschlagen. Dies wurde Sudays im Finale am Sonntag zum Verhängnis: Hier schlug er zu wenig und Eduard Lesev aus Euskirchen konnte hiervon mit Kämpferherz profitieren. Lesev, der im Halbfinale den Leverkusener Ramadani besiegte, konnte wiederum das Seilgeviert siegreich verlassen. Sudays war hier einfach zu passiv.
Einen hochspannenden Kampf lieferte ein weitere Lokalmatador: Narek Sukyiasian. Er schlug viel marschierte vorwärts. Sein Gegner Felix Zemke, der ältere Bruder von Lennox Zemke, tat es Ihm in nichts nach: Er konterte und setzte gekonnt Nadelstiche und punktete aus dem Rückwärtsgang. Das Ergebnis war strittig und auch im Kampfgericht umstritten. Am Ende gewann Zemke knapp nach Punkten. Im anderen „Spinnenbeinchen” trafen Rasul Hamad auf Catalin Dobre. Dobre war höchst bemüht, kämpfte, marschierte, aber konnte selbst schlussendlich nicht signifikant treffen. Rasul Hamad wirkte sehr routiniert und abgeklärt: Energiesparend und doch höchst dominant, präzise und effizient rückte Er ins sonntägliche Finale vor. Dort traf er auf Felix Zemke, den er in einem knappen Kampf besiegte: Familienwiedergutmachung, da Felix Bruder Lennox seinen Bruder Muhammed besiegte. 
Daner Bani besiegte den Bonner Besnik Dulaji in einem – wie kann es auch anders sein – sauknappen Kampf. Im Finale unterliegt er allerdings dem Faustkämpfer aus Köln Ozan Akac. Banis Halbfinalkampf war schon ein hartes Stück Arbeit – So kann es dann im Finale schwer werden technisch und taktisch auf der Höhe zu sein und gleichzeitig ressourcenschonend zu boxen.
Das Feld der Jugend bis 63 Kg „gehörte” dem SC Colonia  aus Köln: Faridun Melizoda gelang als erstem der Finaleinzug. Er besiegte seinen Vereinskollegen Mohammed Karaoui. Ein klassischer Verlauf in einem Boxkampf: Der Techniker („Boxer”) gewinnt gegen den Angriffskämpfer (Brawler oder Volumepuncher) solange er „mehr im Tank” hat und die Beinarbeit und Meidbewegungen sinnvoll anbringen kann. Auch muss er in hoher Frequenz mit der Führhand stechen. Karaoui, der Boxer, konnte die erste Runde durch eine gute Führhand, Übersicht  und Vermeidung für sich verbuchen. Allerdings schienen sich in den folgenden Runden konditionelle Schwierigkeiten bemerkbar zu machen. Melizoda marschierte und bedrängte Karaoui und gewann den Kampf schlussendlich knapp. Der unbedingte Siegeswille gewinnt in diesem Fall. Fitim Bairami, der im Halbfinale Marcel Heeg besiegt ist im Finale dann zu stark für Faridun bzw. Faridun ist zu geschwächt vom harten Halbfinale „abgenutzt” und verliert klar nach Punkten.
Godstone Attikosie vom SC Colonia marschiert durch: Er schlägt im Halbfinale Amir Safari klar und macht auch im Finale weiter und dispatched den zweiten Fardin Temorsha ebenfalls aus Aachen.
In Schlachten wird Gerald Domi bei 81 kg Mittelrheinmeister. Im Halbfinale besiegt er den Leverkusener Melih Dönmez in einer zuschaueraffinen Ringschlacht. Das wiederholt er einfach am Samstag und bringt wiederum das Publikum zum Toben. Es ist nicht immer die ganz feine Klinge, aber die Essenz des Boxsports wird transportiert: Ehrliche Schlachten, Athlet gegen Athlet im tiefen Wasser, wo der Wille im Unterbewusstsein den Ausschlag über Sieg oder Niederlage bestimmen kann.
Eine Überraschung: Die bereits international erfahrene Kämpferin der Faustkämpfer Köln Kalk Desteny Christ musste konditionsbedingt aufgeben. Ein weiterer Beweis dieser MABV Meisterschaften, dass harte Arbeit und Siegeswillen, Talent und fehlende Kondition besiegen. Nun ja, nicht für die Turnhalle lernst du, sondern für den Ring. So konnte Jinane Azzizi aus Rheindorf den Kampf für sich entscheiden.
Alles in allem hat man alles Gesehen: die Kinder und Jugendlichen geliefert. Das war vom wunderschönen, technisch sauberen olympischen Boxsport bis hin zu brutalen Schlachten mit Gänsehautgarantie.  Das Kampfgericht war an beiden Tagen nicht zu beneiden, da die Kämpfe sehr eng waren. Wenig Kämpfe wurden als einstimmige Entscheidung gepunktet. Gratulation an alle Athleten und gerade auch an die Mittelrheinmeister. Respekt. Man sieht sich dann spätestens bei der NRW Meisterschaft. Bis dahin geschlossen bleiben und Kraft einteilen.

 

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